►„Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt entsteht. Denk an die Frage eines Kindes: was tut der Wind, wenn er nicht weht?" (Erich Kästner)
Kinder sind Meister im kreativen Lernen. Für sie ist es ein ganz natürlicher Zustand!
Kleine Kinder tun manchmal merkwürdige Dinge. Sie werfen Sachen von oben nach unten, drehen sich mit Lust und Freude um sich selbst, hüpfen auf einem Bein, laufen im Kreis um etwas herum. Sie wickeln Gegenstände ein, als ob es Schätze wären, zerlegen Objekte in Einzelteile, schütten ganze Spielzeugkästen aus und erfreuen sch im Durcheinander - was machen sie da eigentlich?
Sie lernen! Sie suchen nach Ursachen und Wirkung! Sie erforschen die Welt und sich selbst!
Die grundlegenden Entwicklungsschritte eines Kindes, sich die Welt anzueignen, sind nichts anderes, als fortwährende Übungen in kreativer Problemlösung. Es ist die natürliche Art des Kindes zu lernen, die Welt zu erforschen, die Dinge zu ergründen, sie auszuprobieren, auf unterschiedliche Weise mit ihnen umzugehen und sie unterschiedlich zu betrachten.
In diesem Prozess erfindet das Kind ganze Errungenschaften der Menschheit neu: die Sprache, das Gehen, die Liebe….. Die Malerei wird neu entdeckt in dem Gekritzel, welches das Kind "Ball oder Auto" nennt. Wenn es einen Klumpen Knete oder Ton nimmt und zu einer Schlange rollt, stößt es auf Anfänge der Bildhauerei. Erste mathematische Gesetzmäßigkeiten entdeckt es, wenn es feststellt, dass die Schlange, die es aus Knete geformt hat, zur Menge gegenüber dem vorigen Klumpen nicht verändert hat. Zum Ursprung der Musik gelangt es, indem es sich am rhythmischen Klatschen mit seinen Händen erfreut ....usw.
Wenn Kinder älter werden, erschaffen sie ganze Wirklichkeitswelten in ihrem Spiel. Sie versetzen sich in andere Personen und Situationen und "tun so, als ob". Vorstellungen und Gefühle werden verarbeitet, Wünsche und Träume (im Spiel) realisiert. Sie verwenden allerlei Materialien, die in irgend einer Weise ihrer Welterforschung dienlich sind. Wird z.B. ein neuer Fernseher geliefert, können Kinder tagelang mit dem Pappkarton, der als Verpackung diente, spielen. Sie krabbeln rein und raus, mal ist er eine Höhle, mal Raumstation mal Piratenschiff. - nur eines nicht: Pappkarton!
Kinder entdecken ihre Fähigkeiten und Neigungen
Die natürliche Neugier des Kindes ist die eine Seite der Medaille. Im Laufe der Entwicklung kann man nun beobachten, dass sich Kinder schon früh von ganz bestimmten Beschäftigungen angezogen fühlen. Diese Interessen veranlassen sie zu ausdauernden und konkreten Bemühungen, wobei es für sie zunächst keine Rolle spielt, ob es sich dabei um ein Klavier, Bilder oder Holztürme handelt.
Etwas richtig zu können, lernen Kinder, indem sie die Dinge stetig tun, sprich: sie wiederholen. Dadurch verfestigen sich die Lerninhalte und vielfältige Erfahrungen werden gewonnen. Das erfordert von uns Pädagogen oder Eltern, alle kleinen Teilschritte einzuüben, ohne uns zunächst um die Ergebnisse zu kümmern, geschweige denn, sie als gut oder schlecht zu bewerten. Wenn wir darauf verzichten, die Beschäftigungen eine Kindes zeitlich zu sehr begrenzen, so ermöglichen wir ihm, die gleichen Dinge auf unterschiedliche Weise wieder und wieder durchzuspielen und sich auf dieses Weise und in dem, was es gerade versucht, zu vervollkommnen. Die Wiederholung dient aber nicht nur der Vervollkommnung. Sie gibt dem Kind auch das Gefühl: das ist meine Ding - meine Beschäftigung – sie ist ein Teil von mir. So lernt das Kind, die Beschäftigung zu lieben.
Erfolgreiches Üben schafft Selbstvertrauen und stärkt den Glauben an die eigenen Fähigkeiten. Wenn Menschen von ihren Fähigkeiten überzeugt sind, gehen sie neuen Aufgaben mit einem Schwung an, der sich aus der Gewohnheit erklärt, schon viele Aufgaben in Angriff genommen und gemeistert zu haben. Sie zehren von den Erfolgen, auf die sie zurückblicken können. Unbekanntes empfinden sie als Herausforderung und weniger als Bedrohung. Sie scheuen nicht das Risiko und versuchen sich auch mal an völlig neuen und eigenwilligen Lösungen.
(Quelle: Daniel Goleman aus: "Kreativität entdecken")
Unsere Kinder von Heute sind die Erwachsenen von Morgen
Wir brauchen in Zukunft Menschen, die neue Grenzen ausloten und zu Gestaltern einer Welt werden wollen, die sich sowohl mit Fragen der persönlichen Entwicklung als auch des konstruktivem Engagements in der Gesellschaft und umweltgerechtem Handeln befassen.
Dies setzt in der Erziehung die Anwendung eines partnerschaftlichen Modells voraus, in dem die Prinzipien von Selbständigkeit im Denken und Handeln, Lernen durch Tun (=Erfahrungslernen), und die eigene Ideenbildung bzw. –entwicklung wirklich gewollt sind und entwicklungsgerecht erprobt und gelebt werden dürfen. Ich gebe zu, dies erfordert von uns Erwachsenen oftmals einen langen Atem - aber der lohnt sich allemal.